Ich selbst am Wegesrand

Herbstpotsdam

Seit vielen Wochen stehen Schafe in allen schönen Farben genüsslich auf unseren Parkwiesen zur Beweidung dieser. Für Kinder und (sonstige) Schafliebende als auch für Freunde des bukolischen Lebens ein gar hübscher Anblick. Nicht nur lieblich anzusehen, zaubern diese Tiere gar manchem empfindsamen Menschen ein Lächeln auf die Herbstlippen.

Eine Geschichte, die ich sehr gut nachvollziehen kann, ist auch diese: Eine Deutsch-Türkin, einst Karrierefrau in Düsseldorf, zog es in die Türkische Ägäis, wo sie nun beschlossen hat, Schafe zu hüten. Allein, ihre Schafe jeden Tag anzusehen, mache sie glücklich. Mich machen Schafe auch immer und überall froh, in der Ägäis, in Spanien als auch hier, an jedem Orte, wo jede/r sowieso seine Sorgen loswerden kann, wenn er den Namen des Ortes für sich ernst nehmen mag.

Da beschloss mein liebster Freund, mich also bei den Schafen abzuholen, weil er noch länger im Café bleiben wollte. Lange saß ich am Rande des Stichgrabens an einen Baumstamm gelehnt, schaute abwechselnd auf die Fellfarben aller Schafe, wobei mir die kleinen schwarzen am meisten zusprechen – und dieses Mal habe ich kein Schafskonfekt dabei, weil die vielen Eicheln weiter weg liegen und ich doch warten muss; und dann schaue ich wieder auf die kommenden Menschen, doch noch länger wird die Zeit, in der der Erwartete nicht zu sehen ist auf dem Weg zum Weinberg – trotz Schafblick.

„Du siehst schön aus in dem Licht“, spricht mich ein sein Fahrrad schiebender Mann an. „Darf ich dir Gesellschaft leisten?“, fragt er sogleich. Nicht schon wieder, denke ich. Mir passiert das ab und zu, wenn ich in unseren Parks unterwegs bin. Mich interessieren doch nur die Schafe und die Blätter und das Licht und die Luft. Nicht, wie es auf mir liegt und wer mir dabei Gesellschaft leisten mag. Merke, Ihr Männer, nicht alle Frauen gehen in die Natur, um Männer kennenzulernen.

„Ich warte hier auf meinen Vater“, ist meine Antwort. „Das ist aber ein schöner Ort, um auf seinen Vater zu warten“, meint der Mädchenansprecher. „Ach, einfach wunderschön“, säuselt er noch und geht fahrradschiebend seines Weges.

Der geschätzte Begleiter kommt und sagt: „Entschuldigung! An meinen Tisch setzte sich jemand, und wir kamen über …. und …. ins Gespräch“, eben zu seinen Themen und Orten, welche er liebt. Da kann ich nicht böse sein, wenn  se i n  Wegesrand ihm einen anregenden Gleichgesinnten auf den Stuhl nebenan schickte. Doch Cafégeschichten sind andere, momentan nur nicht meine.